Leonhards-Apotheke Zürich, Stampfenbachstrasse 7, 8001 Zürich


Horrortrip mit Husten

Nach Weihnachten erwachte ich nach einer durchgehusteten Nacht. Mir blieben zwei Stunden bis zur Abreise in die Berge; vier Tage Skitour waren geplant. Der Betthüterei überdrüssig, sammelte ich mich und meine Sachen. Auf dem Weg zum Treffpunkt unternahm ich einen letzten entschlossenen Versuch, wieder richtig auf die Beine zu kommen; die Apothekerin sollte mir dabei helfen. „Hustensirup von Weleda oder etwas Stärkeres?“ Vier Tage lang zwei Tabletten am Tag sollte ich nehmen. „No Zältli dezue?“

Auf der Fahrt in die Berge schwitzte ich und lutschte Bonbons.

Nachts konnte ich nur schlafen, wenn ich nicht ans Schlafen dachte. Mehrmals schreckte ich hoch und hatte Angst, zu ersticken, sobald die Luft im Raum aufgebraucht wäre.

Morgens eine Tablette gegen den Husten, ein Ibuprofen für das Fieber. Schwindlige Skitouren wie durch eine Scheibe. Die Nachmittage über mit offenen Augen dösen, kein Zeitgefühl. Alles verschwamm. Mein Körper sass da und spielte ohne mich Karten.

Dann bekam ich Herzrasen. Auch mein Gehirn arbeitete schon länger nicht mehr richtig ... Hirntumor oder MS? Auf der Rückfahrt überfuhr mich die Sinnlosigkeit allen Daseins.

Müde taumelnd kam ich nach Hause. Aber, und das erklärte ich der Freundin, die mich heimgebracht hatte: Wenn ich einschliefe, würde mein Herz zu schlagen aufhören. Meinen Eltern sagte ich am Telefon, ich würde wahrscheinlich gleich sterben.

Am nächsten Tag ging ich endlich zur Ärztin: Nicht in der Lage, das Patientenformular auszufüllen (mein Beruf??), wurde ich nach meiner psychischen Konstitution gefragt. Ich musste heulen.

Eine Stunde und etliche Tests später erfuhr ich, ich habe den Hustenblocker Dextrometorphan wegen einer Enzymschwäche nicht abgebaut. Der von der Navy entwickelte Codein-Ersatz wirkt über das zentrale Nervensystem, indem er alles entspannt. Er ist in den USA ein beliebtes Rauschmittel. Die möglichen Folgen einer Überdosis reichen bis zu Atemlähmung und Herzstillstand.

Während der nächsten zwei Wochen hatte ich Closed-Eye-Halluzinationen und Panikattacken von dem hierzulande rezeptfrei erhältlichen Medikament. Immerhin, der Husten war weg.

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