3 Worte sind 1 Geschichte: Plexiglas + Flocken + hören - Nr. 2



Die Schneeflocken sammeln sich auf den Ästen, die sich vor meinem Fenster verneigen. Mit grosser Mühe kämpfe ich mich hoch in eine aufrechte Position, ziehe das Fenster auf, nur um mich gleich wieder zurückfallen zu lassen. Eiskalte Luft sticht mir entgegen, meine Bettdecke schützt mich weder vor dem Wind noch dem Gelächter der Gymi-Schülerinnen, die auf der anderen Strassenseite in die Mittagspause strömen. Fenster wieder zu. Mein Kopf schmerzt, der Geruch von Fast Food sitzt noch tief in meinem Zimmer, ich klappe den Laptop wieder auf, web.whatsapp springt mir entgegen. Nachrichten meiner Chefin, meiner Mitstudentin, ich klicke es gleich wieder zu, öffne Streaming-Plattformen, schau mir Serien an, die ich schon tausendmal gesehen habe. «Hast du schon Community gesehen?», höre ich meine Mitbewohnerin fragen. Bis vor kurzem befanden wir uns noch gemeinsam im Limbo, motivierte Vorsatzdiskussionen am Abend, verschlafene Trägheit an den nächsten Tagen. Jetzt bastelt sie Ohrringe aus Plexiglas und Westen aus Decken. Ich erinnere mich an die Zeit von vor drei Jahren, oder fünf, sechs Jahren? Da wollte ich auch noch Kunst studieren, dann Englisch, dann Philosophie, dann Film und dann gar nichts mehr.



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