Lila Stein
- Hanna-Karina Müller
- 8. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Manchmal ist das Leben schon interessant.
Man weiss nie so genau, wo man irgendwann landet.
Ich habe schon ganz schön viel erlebt, bin auch steinalt, aber so viele Menschen sehe ich zum ersten Mal. Kurz zu mir; ich stamme ursprünglich aus dem Bergen. Damals war ich noch ganz schön kantig, über die Jahre konnte ich meine Macken und Kanten runden und bin den Weg mit all den anderen Steinen gegangen. Die sind jetzt auch rund geworden. Mit der Zeit haben wir gelernt harmonisch zu sein. Reden können wir ja sowieso nicht miteinander, aber wir stossen nicht mehr so oft gegeneinander. Die meiste Zeit ist es still im Wasser. Manchmal hörst du jemanden rein springen und es wirbelt alles auf, aber ansonsten ist es ruhig.
Ja und jetzt, ist alles anders. Ich bin am Bullingerplatz und habe Augen gekriegt. Jetzt sehe ich alles Mögliche, es ist ganz schön viel los. Morgens sehe ich Kinder, die mit dem Trotti in die Schule gehen. Leute, die gestresst zum Bus rennen und mir kaum Aufmerksamkeit schenken. Aber das macht mir nichts, ich höre die Vögel zwitschern und das Erwachen eines Tages. Ich sehe Leute Kaffee trinken und etwas essen, während sie ein intensives Gespräch führen. Ich habe mitgekriegt, sie sind glaube ich da, um über Regeln zu diskutieren für die Stadt. Am Abend sind die Leute viel lockerer drauf. Ich sehe Leute Hand in Hand spazieren oder eine Freundesgruppe am Brunnen sitzen, vertieft in ein Gespräch. Scheint amüsant zu sein. Und irgendwann laufen die Leute wieder zurück zu ihren Häusern, manche lächelnd, zufrieden mit ihrem Tag, manche mit gerunzelter Stirn, besorgt für den morgigen Tag. Und ich, ich bin einfach da. Mal schauen, was morgen so passiert.
Hanna-K. Müller (*1999), JULL-Stadtbeobachterin seit 2025
Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit dem Bullingerhaus im Rahmen des Gartenfests 2025

Foto: JULL

