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"Das wird jetzt unangenehm", dachte ich, als ich mich der Theke näherte. An dieser sass eine Frau, der man bereits ansah, wofür ihr Herz schlug, ganz wichtig für den Look war natürlich die passend langweilige Brille, die sie schnippisch vorschob, gefolgt von einem kritischen Blick, mit dem sie mich prüfte.

 

Ich wusste ich hatte nicht bestanden, denn sie sah mir an, dass ich fehl am Platz war. Das war auch mir bewusst, aber mein Besuch war obligatorisch.

 

Nachdem ich die Bücherfrau begrüsst hatte, legte ich einen Umschlag inklusive Bücherstapel auf den Tisch. "Ich möchte gerne diese Bücher zurückgeben und diese Mahnung bezahlen." Die Bücherfrau lächelte etwas hämisch.

 

"Das passt perfekt ich weiss." dachte ich. Es schmerzte in meiner Brust, als ich die Karte ans Lesegerät hielt. 50 Franken für ungelesene Drecks Bücher, was hatte ich mir dabei gedacht, sie überhaupt auszuleihen.

 

Die Bücherfrau erkannte den Schmerz in meinem Gesicht, worauf ich ironisch nickte. Sie empfand eher weniger Komik in der Situation, also drehte ich mich wieder zur Tür, in der Hoffnung der peinlichen Situation endlich zu entfliehen.

Doch da kam mir ein Gedanke: "Es war ein weiter Weg, zu weit, um mir nicht doch ein paar dieser Schinken anzusehen." Ich drehte mich erneut um. "Sind sie sicher?" fragte ich die Bücherfrau, die brav angezogen und doch so unglaublich frech war.

 

"Das ist doch ein öffentlicher Raum, zwar mein Entgegner aber das weiss die nicht." dachte ich. "oder doch, hat sie es gemerkt? sie weiss es, verdammt sie WEISS es."

 

Ich entschied mich es der Bücherfrau -nein, mir selbst natürlich- zu beweisen und mich meinem Gegner zu stellen. So näherte ich mich langsam den Regalen, alle samt voll mit intellektuellen, geordneten -zwei Wörter, die mir nicht gefallen- Büchern- ein Wort, das mich irgendwie peinlich berührt. Ich setzte mich auf einen Stuhl, um das Geschehen erst Mal aus der Distanz zu beobachten.

 

Irgendwie glaubte ich immer fest daran, eines Tages, ein Buch in der Hand zu halten, während ich Zeile für Zeile zum Ende vordringe. So wie ich es ein paar wenige Male in meinem Leben erlebt hatte.

 

Nun folgt ein Geständnis: Ich mochte es nicht zu lesen.

 

Aber wenn ich einmal wirklich begonnen habe zu lesen, war ich immer ein anderer Mensch. Ein Büchermensch. Etwas weniger langweilig angezogen, man könnte fast sagen, frech angezogen.

 

Doch viel öfters geschah das Gegenteil, denn so selten, geschah es, dass mir ein Buch spannend erschien und noch viel seltener geschah es, dass ich ein Buch tatsächlich Wort für Wort lesen würde. Doch ich glaube immer fest daran, dass der Tag x kommen würde an dem es wieder geschehen würde.

 

Spätestens dann, wenn ich vor einer Betreibung stand, gab ich mich geschlagen. Ich stand also in der Bibliothek und obwohl ich tief in mir wusste, was geschehen würde, ergriff ich das Buch, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und vielleicht war sie sogar 50 Franken wert.














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